8 Tipps zur erfolgreichen Kommunikation von BGM Massnahmen

Eine zentrale Herausforderung des BGM liegt in der Kommunikation.[1] Es gilt Mitarbeitende für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren, ihnen relevante Informationen zur Verfügung zu stellen und sie für die Teilnahme an BGM Massnahmen zu gewinnen. Doch das ist nicht einfach. Nicht umsonst gilt die Kommunikation daher als die Königsdisziplin des BGM. [2]

Es bedeutet meist viel Aufwand die verschiedenen Massnahmen intern bekannt zu machen und die richtigen Zielgruppen zu erreichen. Auch bedarf es hier einer gewissen Regelmässigkeit und dabei darf die BGM Kommunikation gleichzeitig auch nicht in der internen Informationsflut untergehen. Genau bei dieser Herausforderung möchten wir dich gerne unterstützen.

Daher haben wir zum einen unsere eigenen Erfahrungen aus den letzten Jahren, wie auch verschiedenen Erkenntnisse aus der Forschung zusammengetragen. Wir haben Tipps, welche du ohne grösseres “Buy-in” der Geschäftsleitung selbstständig implementieren kannst, aber auch noch ein paar Ansätze, die eher holistisch sind und dir dabei helfen können langfristig die Kommunikation zum BGM in deinem Unternehmen zu platzieren und in die Unternehmenskultur zu integrieren. Hier unsere 8 Kommunikations-Tipps im Überblick

  1. Erstelle eine Übersicht über deine Zielgruppen
  2. Wähle die richtigen Kommunikationskanäle und kommuniziere möglichst vielfältig
  3. Nutze interne Ressourcen bei der Kommunikation
  4. Erstelle eine Kommunikations-Timeline auf und informiere in regelmässigen Abständen
  5. Ziehe Führungspersonen mit ein
  6. Vergiss nicht die neuen Mitarbeitenden zu informieren
  7. Schaffe ein Netzwerk aus Health Ambassadoren
  8. Gründe eine Fokusgruppe

Da manche unserer Tipps aufeinander aufbauen, empfehlen wir diese, wenn möglich etwa in dieser Reihenfolge zu berücksichtigen.

  1. Erstelle eine Übersicht über deine Zielgruppen

Um BGM Aktivitäten bestmöglich und adressatengerecht kommunizieren zu können, empfiehlt es sich die Mitarbeitenden in verschiedene Zielgruppen aufzuteilen. Diese können sich nahe an den grundsätzlichen BGM Zielgruppen orientieren, also z.B. am Alter, Standort, körperliche oder psychische Herausforderung der Tätigkeit. Aber hier wollen wir den Fokus darauf legen, wie die einzelnen Zielgruppen am besten erreicht werden. Daher spielen hier Faktoren wie der Arbeitsstandort, die Sprachregion, die verwendete Muttersprache und auch das Arbeitsumfeld (Büro, Home-Office, Produktion etc.) eine wichtige Rolle.

Versuche hier die unterschiedlichen Aspekte der Arbeit zu berücksichtigen. Wer wird tendenziell über digitale Wege wie Intranet, E-Mail oder Newsletter erreicht? Und welche Zielgruppen haben kaum oder keinen Zugriff auf diese Kanäle, weil sie beispielsweise in der Produktion oder draussen im Freien tätig sind. Hier hilft es sehr den direkten Kontakt zu den Zielgruppen zu suchen. Durch kurze informelle Gespräche kannst du dir schnell einen Überblick über die jeweiligen Tätigkeitsbereiche machen und herausfinden, über welche Kommunikationskanäle diese Mitarbeitenden sich informieren und am besten erreicht werden können.

Nachdem du dir eine Übersicht über die Zielgruppe im Unternehmen erstellt hast, gilt es die unterschiedlichen Herausforderungen der Zielgruppen zu adressieren. Versuche zu verstehen, welche Massnahmen für welche Zielgruppe eine besonders hohe Relevanz haben. So kannst du sicherstellen, dass keine Zielgruppe und keine der BGM-relevanten Herausforderungen aus dem Blickfeld geraten. Bietest du etwa einen Workshop zum Thema «Gesunder Schlaf» an, so stelle sicher, dass vor allem die Mitarbeitenden, welche aufgrund ihrer Tätigkeit (z.B. durch Schichtarbeit), besonders gefordert sind, direkt über diese Veranstaltung informiert werden.

  1. Wähle die richtigen Kommunikationskanäle und kommuniziere möglichst vielfältig

Die meisten BGM Verantwortlichen nutzen das Intranet als zentralen Kommunikationskanal – und das funktioniert je nach Unternehmen auch sehr gut. Aber in vielen Betrieben ist das Intranet eine verstaubte Landschaft und häufig sind es genau die vulnerablen Zielgruppen, die nicht übers Intranet angesprochen werden können. Deshalb ist es wichtig bei der Kommunikation auch weitere Kanäle zu berücksichtigen und die Zielgruppen dort abzuholen, wo sie sich bewegen.

Wenn du dir ein Bild davon gemacht hast, wie du die verschiedenen Zielgruppen am besten erreichen kannst, dann bringe in Erfahrung, welche Kommunikationskanäle in deinem Unternehmen zur Verfügung stehen, um über geplante BGM Massnahmen zu informieren. 

  1. Nutze interne Ressourcen bei der Kommunikation

In grösseren Unternehmen wird die interne Kommunikation von einzelnen Personen oder ganzen Teams koordiniert. Es kann sich lohnen frühzeitig den Kontakt zur internen Kommunikationsabteilung aufzunehmen. Dort kannst du in Erfahrung bringen, wie es mit den Richtlinien zu internen Mailings aussieht, wie du Screens oder Plakate nutzen kannst, oder welche Kanäle bei welchen Mitarbeitenden besonders gut funktionieren. Vielleicht kannst du auch die internen Social-Media-Kanäle für deine Zwecke nutzen. Verschaffe dir hier einen Überblick und behalte deine Zielgruppen dabei stets im Auge.

  1. Erstelle eine Kommunikations-Timeline und informiere in regelmässigen Abständen

Verschaffe dir eine Übersicht über die anstehenden BGM Themen in den kommenden Monaten und erstelle dir auf dieser Basis einen Kommunikationsplan. Du kannst deine Kommunikationsmassnahmen dann im Detail vorausschauend mit der Kommunikations- oder Marketingabteilung besprechen, dir dort Unterstützung holen und ein Teil des internen Kommunikationsplans werden. Dies kann auch verhindern, dass an einem Termin deine BGM-Kommunikation mit einer anderen internen Kommunikation zusammenfällt, welche alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und dein Thema überlagert.

Oftmals genügt es nicht, über geplante Massnahmen nur einmal zu informieren. Reminder spielen eine wichtige Rolle für die Reichweite der BGM Massnahmen.

Bei weniger komplexen Massnahmen (zB. einem Webinar oder Vortrag) kann es genügen zB. 2 Wochen vor dem Termin darüber zu informieren und vielleicht in der Woche vom Termin ein Reminder zu versenden. Bei komplexeren Massnahmen, die mehr Comittment oder Vorbereitung von den Teilnehmern verlangen, braucht es mehr Vorlaufzeit, verschiedene Kanäle und Reminder, die die Teilnehmer zum Entscheid bewegen tatsächlich an der Massnahme teilzunehmen.

  1. Ziehe Führungspersonen mit ein. Sie sollen mit gutem Beispiel vorangehen

Unsere Erfahrungen zeigen, je stärker Führungskräfte mit involviert werden, desto grösser ist die Nutzung von BGM-Massnahmen generell. Dies fängt schon im Kleinen an. Wenn Führungskräfte damit beginnen ihre Bilas oder kurze Gesprächstermine mit einem Spaziergang zu verbinden, dann findet dies bald Nachahmer. Wenn Führungskräfte die Mittagspause nutzen, um Sport zu machen, dann steigert das die Akzeptanz und zieht weitere Mitarbeitende mit. Selbst die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden wird durch das Verhalten der Führungskräfte massgeblich beeinflusst.[3]

Das BGM sollte von “oben” gefördert und unterstützt werden. Ziehe deshalb wichtige Stakeholder mit ein und nutze Ihre Reichweite, um den Massnahmen mehr Gewicht zu geben. So können Teamleiter gewisse Massnahmen in einem Team Meeting erwähnen oder gleich mit dem ganzen Team an einer Massnahme teilnehmen. Wenn es dir gelingt ein Mitglied des Top-Managements, oder gar den CEO für das Thema BGM zu gewinnen, dann können deine Massnahmen intern deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen und schneller ein Teil der Unternehmenskultur werden.

  1. Vergiss nicht die neuen Mitarbeitenden zu informieren

Neue Mitarbeitende gilt es in den ersten Tagen willkommen zu heissen, ihnen den Einstieg ins Unternehmen zu erleichtern und sie mit der Unternehmenskultur vertraut zu machen. Nutze diese Gelegenheit und bringe ihnen als Teil des Onboardings bestehende BGM Massnahmen näher, lade sie ein diese zu nutzen und lass sie wissen, wo sie über neue Massnahmen informiert werden.

Neue Mitarbeitende gezielt anzusprechen ist auch gerade dann besonders zu empfehlen, wenn du momentan dabei bist eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur aufzubauen. Lade sie ein, Teil dessen zu werden, stelle ihnen deine Ideen vor und vielleicht kannst du den einen oder anderen auch gleich als Ambassador gewinnen.

  1. Schaffe ein Netzwerk aus Health Ambassadoren

So vielfältig wie die Menschen in deinem Unternehmen, so vielfältig ist auch deren Wissen und ihre Interessen. Nutze dies und lade gesundheitsbewusste und gesundheitsinteressierte Mitarbeitende ein deinem Ambassadoren Netzwerk beizutreten. Diese Gruppe sollte sich regelmässig treffen und von dir über bevorstehende Massnahmen informiert werden. Die Hauptaufgabe der Ambassadoren liegt darin die geplanten Massnahmen in ihren Teams und ihrem Netzwerk bekannt zu machen. Zusätzlich geben sie der Kommunikation ein Gesicht und können gegebenenfalls Feedback einholen.

  1. Gründe eine Fokusgruppe

Je nachdem wie komplex dein Unternehmen ist, kann es Sinn machen eine Fokusgruppe zu gründen. Anders als bei den Ambassadoren, steht bei Fokusgruppe nicht die Verbreitung der BGM Massnahmen im Vordergrund, sondern die strategische Planung der BGM Massnahmen. Die Fokusgruppe kann dir helfen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden aus verschiedenen Geschäftsbereichen besser kennenzulernen oder dazu führen, dass du frühzeitig über aktuelle Entwicklungen informiert wirst. Nebst den Inputs, die du gewinnst, hast du mit einer gut funktionierenden Fokusgruppe auch gleich Stakeholder, die für die Top-Down Kommunikation in Frage kommen.


[1] Schulze A., Schäfer T. (2018) Beschäftigtenorientiertes BGM auf dem Weg zur Arbeit 4.0. Motivationen und Hemmnisse in der digitalisierten Arbeitswelt. In: Matusiewicz D., Kaiser L. (eds) Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement. FOM-Edition (FOM Hochschule für Oekonomie & Management). Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-14550-7_44

[2] Ghadiri A., Peters T. (2020) Kommunikation im digitalen BGM. In: Betriebliches Gesundheitsmanagement in digitalen Zeiten. essentials. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-32431-5_2

[3] Wülser, M. (2018) Führung/Unternehmenskultur und Gesundheit, In: Blum-Rüegg, A. (Hrsg.) (2018). Betriebliches Gesundheitsmanagement: Grundlagen und Trends. Bericht 7.
Bern und Lausanne: Gesundheitsförderung Schweiz, S. 98

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